Audiomodern V4: Playbeat 4, Riffer 4 und der neue Workflow für generative Musikproduktion

Wer in der modernen Musikproduktion nach frischer Inspiration, generativen Melodien, Akkordfolgen oder KI-gestützten Drum-Grooves sucht, stößt schnell auf Audiomodern. Das Softwareunternehmen entwickelt Plugins und Tools, die klassische Produktionsabläufe um generative Algorithmen, intelligente Randomisierung und flexible MIDI-Steuerung erweitern.
Mit Playbeat 4 und Riffer 4 hat Audiomodern seine beiden wichtigsten generativen Werkzeuge weiterentwickelt. Dabei geht es nicht nur um neue Algorithmen, sondern vor allem darum, musikalische Ideen schneller zu erzeugen, zu verändern und in einen laufenden Produktionsprozess einzubinden.
Besonders interessant ist dabei der Performance-Ansatz von Playbeat 4: Patterns, einzelne Sequencer und komplette Variationen lassen sich direkt über das integrierte Keyboard beziehungsweise per MIDI triggern. Dadurch kann das Plugin nicht nur als Generator, sondern auch als performatives Werkzeug für Arrangement, Jamming und Live-Anwendungen eingesetzt werden.
In diesem Beitrag schauen wir uns an, wer hinter Audiomodern steckt, was Riffer 4 und Playbeat 4 auszeichnet und wie sich der Workflow gegenüber früheren Versionen verändert hat.
Wer steckt hinter Audiomodern?
Audiomodern ist ein Entwicklerstudio für Musikproduktions-Software, Sounddesign und generative Audio-Tools. Zum Team gehören unter anderem Max P. Maximilianos, der als General Manager, Music-Technology-Veteran, Komponist und Sound-Design-Profi tätig ist, sowie weitere Spezialisten aus den Bereichen generative Musik, Sounddesign und Softwareentwicklung.
Als Unternehmenssitz wird Sofia, Bulgarien, angegeben. Die häufig zu findende Angabe, Audiomodern sei in Griechenland gegründet worden, lässt sich dagegen nicht zuverlässig als gesicherte Tatsache bestätigen.
Die Philosophie hinter Audiomodern
Im Mittelpunkt der Produkte steht eine einfache Idee: Musikproduzenten sollen schneller von einer leeren Spur zu einer brauchbaren musikalischen Idee gelangen.
Statt ausschließlich klassische virtuelle Instrumente oder Effekt-Plugins anzubieten, setzt Audiomodern auf generative Musik, algorithmische Variation und kontrollierten Zufall. Der Nutzer gibt musikalische Parameter vor und lässt daraus neue Kombinationen entstehen.
Das Prinzip zeigt sich besonders deutlich bei Riffer. Der MIDI-Sequenzer kombiniert unter anderem Tonhöhe, Notendauer, Anschlagstärke und Dichte, um neue Riffs und Sequenzen zu erzeugen.
Auch Chordjam verfolgt einen ähnlichen Ansatz. Das Plugin erzeugt Akkorde und Progressionen über eine benutzergeführte Randomisierung und bietet unter anderem MPE-Unterstützung für polyphones Gleiten zwischen Akkorden.
Audiomodern und generative Musik
Der Begriff KI sollte bei Audiomodern allerdings differenziert betrachtet werden.
Bei Playbeat 4 bezeichnet Audiomodern die Software ausdrücklich als AI-Powered Drum Designer. Die Software kombiniert KI-Algorithmen mit genrebasierter Pattern-Generierung und bietet Kontrolle über Stil und Komplexität der erzeugten Beats.
Bei Riffer oder Chordjam stehen dagegen stärker generative Algorithmen, Randomisierung und musikalische Parameter im Vordergrund. Es wäre deshalb irreführend, sämtliche Audiomodern-Plugins pauschal als KI-Plugins zu bezeichnen.
Genau diese Mischung macht die Produktpalette interessant: Der Zufall wird nicht völlig sich selbst überlassen, sondern durch Tonart, Skala, Dichte, Timing, Stil oder andere musikalische Parameter kontrollierbar gemacht.
Riffer 4: Generative MIDI-Ideen auf Knopfdruck
Riffer 4 ist der MIDI-Spezialist innerhalb der Audiomodern-Produktfamilie.
Das Plugin erzeugt Riffs und Sequenzen, die anschließend direkt bearbeitet und an die eigene Produktion angepasst werden können. Nutzer wählen beispielsweise Tonart und Skala und können anschließend Parameter wie Tonumfang, Dichte, Timing und musikalisches Feeling verändern.
Eine Besonderheit von Riffer 4 sind die fünf spezialisierten Generation Engines. Sie verfolgen unterschiedliche musikalische Ansätze und sind unter anderem auf Basslines, Arpeggios, Hooks und rhythmisch-hypnotische Sequenzen ausgelegt.
Dadurch entstehen nicht lediglich Varianten desselben Zufallsalgorithmus, sondern unterschiedliche Ausgangspunkte für die Ideenfindung.
Riffer 4 im Produktionsworkflow
Der große Vorteil liegt dabei in der Geschwindigkeit.
Statt eine Melodie Note für Note zu programmieren, kann ein Producer zunächst verschiedene Varianten erzeugen und anschließend die interessanteste Idee weiterbearbeiten. Das generierte MIDI bleibt dabei editierbar.
Riffer 4 unterstützt außerdem MIDI-Ausgabe und MIDI-Verbindungen zu anderer Software und Hardware. Damit kann das Plugin beispielsweise Synthesizer, Sampler oder weitere MIDI-fähige Geräte ansteuern.
Playbeat 4: KI-gestützter Drum Designer
Während Riffer für Melodien, Riffs und Sequenzen zuständig ist, konzentriert sich Playbeat 4 auf Rhythmus und Drums.
Audiomodern bezeichnet Playbeat 4 selbst als AI-Powered Drum Designer. Die Software nutzt neue Algorithmen und eine genrebasierte Pattern-Generierung, mit der sich unterschiedliche musikalische Stile und Komplexitätsstufen auswählen lassen.
Dabei kann Playbeat nicht nur komplette Drum-Patterns erzeugen. Nutzer können auch einzelne Sounds, Sequenzen oder Variationen bearbeiten und miteinander kombinieren.
Ein wesentlicher Bestandteil ist die Performance-Keyboard-Funktion. Über das integrierte Keyboard lassen sich einzelne Sounds, komplette Sequencer oder ganze Drum-Grooves triggern. Auch automatisch erzeugte Remixes können auf diese Weise in Echtzeit aufgerufen werden.
Damit wird Playbeat 4 besonders interessant für Produzenten, die ihre Beats nicht nur programmieren, sondern während des Abspielens aktiv verändern möchten.
V3 vs. V4: Was verändert sich im Workflow?
Der Unterschied zwischen älteren Audiomodern-Versionen und den aktuellen V4-Produkten lässt sich am besten über den Workflow erklären.
Bei klassischen generativen Plugins ist ein typischer Ablauf:
Pattern oder Variation erzeugen.
Interessante Version auswählen.
MIDI oder Audio in die DAW übertragen.
Das Ergebnis auf der Timeline arrangieren.
Für die nächste Variation wieder zum Plugin zurückkehren.
Dieser Workflow funktioniert zuverlässig, kann aber den kreativen Fluss unterbrechen.
Playbeat 4 setzt deshalb stärker auf Triggering und Performance innerhalb des Plugins. Anstatt jede Variation sofort als separaten Clip auf die DAW-Timeline zu ziehen, können unterschiedliche Elemente direkt über MIDI-Noten beziehungsweise das Performance-Keyboard ausgelöst werden.
Der entscheidende Punkt: MIDI-Trigger statt MIDI-Feedback
Hier ist eine wichtige Unterscheidung notwendig.
Playbeat 4 besitzt zwar MIDI-Ausgabe und MIDI-Import, doch der MIDI-Output ist nicht dafür gedacht, anschließend wieder in Playbeat zurückgeführt zu werden. Stattdessen dient das MIDI unter anderem dazu, Playbeat als MIDI-Generator für andere Plugins oder externe Geräte einzusetzen.
Für das Arrangement innerhalb von Playbeat sind dagegen die Trigger-Funktionen vorgesehen. Die verschiedenen Pattern- und Remix-Variationen können über die Tasten des integrierten Keyboards beziehungsweise entsprechende MIDI-Noten ausgelöst werden.
Das ist für den praktischen Workflow ein wichtiger Unterschied und verhindert ein Missverständnis, das bei einer Beschreibung von „MIDI Pattern Switch“ schnell entstehen kann.
Playbeat 4 als Performance-Instrument
Die Performance-Funktionen sind eine der interessantesten Seiten von Playbeat 4.
Über die Trigger-Tasten können beispielsweise einzelne Sequencer, komplette Grooves oder Remix-Variationen aufgerufen werden. Dadurch lässt sich ein Beat während der Wiedergabe verändern, ohne für jede Variation einen eigenen MIDI-Clip auf der DAW-Timeline anlegen zu müssen.
Das eröffnet mehrere Einsatzmöglichkeiten:
spontane Fill-Ins während eines Jams
Wechsel zwischen verschiedenen Drum-Patterns
Live-Remixe bestehender Grooves
Aufbau von Songteilen aus unterschiedlichen Sequencer-Varianten
Steuerung über ein MIDI-Keyboard oder einen MIDI-Controller
Einsatz auf dem iPad über AUv3
Gerade für elektronische Musik und experimentelle Produktionsweisen kann dieser Ansatz deutlich interessanter sein als ein rein statischer Drum-Sequencer.
MIDI und DAW-Integration
Audiomodern positioniert Playbeat 4 ausdrücklich auch als MIDI-Generator. Die Software kann MIDI-Daten ausgeben und damit andere Plugins oder externe Hardware ansteuern.
Für Logic Pro existiert außerdem eine MIDI-FX-Version. Auf dem iPad steht Playbeat als AUv3 MIDI FX zur Verfügung.
Gleichzeitig bleibt der klassische Export-Workflow erhalten. Generierte Patterns können weiterhin als MIDI beziehungsweise Audio in die DAW übernommen und dort weiterbearbeitet werden.
Damit bietet Playbeat 4 zwei unterschiedliche Arbeitsweisen:
Generieren und exportieren:
Pattern erzeugen, MIDI oder Audio in die DAW übernehmen und dort klassisch arrangieren.
Generieren und performen:
Patterns und Variationen innerhalb von Playbeat vorbereiten und während der Wiedergabe per MIDI triggern.
Diese Kombination macht den Workflow wesentlich flexibler als ein reiner Pattern-Generator.
Chordjam: Akkorde als Bindeglied
Eine weitere wichtige Komponente im Audiomodern-Ökosystem ist Chordjam.
Das Plugin erzeugt Akkorde und Akkordfolgen anhand verschiedener musikalischer Parameter und kann MIDI an andere Software oder Hardware weitergeben. Dazu kommen Funktionen wie ein eigener Sequencer, Arpeggiator, Pattern-Presets und MPE-Unterstützung.
Besonders interessant ist die MPE-Unterstützung: Chordjam kann polyphones Portamento beziehungsweise gleitende Akkordübergänge erzeugen. Dadurch lassen sich Akkordfolgen nicht nur harmonisch, sondern auch als Performance-Element gestalten.
Zusammen mit Riffer und Playbeat ergibt sich damit ein schlüssiges System:
Chordjam liefert Akkorde und harmonische Progressionen.
Riffer 4 erzeugt Melodien, Riffs, Basslines und Sequenzen.
Playbeat 4 kümmert sich um Drums, Grooves und rhythmische Variationen.
Die wichtigsten Vorteile von Audiomodern V4
Schneller von der Idee zum Pattern
Generative Algorithmen liefern in kurzer Zeit zahlreiche musikalische Ausgangspunkte. Statt bei null anzufangen, kann man eine interessante Variation auswählen und anschließend weiterentwickeln.
Mehr Kontrolle über den Zufall
Audiomodern setzt nicht einfach auf unkontrolliertes Randomizing. Tonart, Skala, Dichte, Timing, Komplexität und weitere Parameter ermöglichen es, den kreativen Zufall innerhalb musikalisch sinnvoller Grenzen zu bewegen.
Performance statt nur Pattern-Erzeugung
Insbesondere Playbeat 4 geht über die reine Pattern-Generierung hinaus. Patterns, Sequencer und Remixes lassen sich über die Performance- und MIDI-Trigger-Funktionen während der Wiedergabe aufrufen.
Weniger Unterbrechungen im kreativen Prozess
Wer beim Produzieren gerne experimentiert und jammt, kann verschiedene Variationen vorbereiten und anschließend direkt zwischen ihnen wechseln, statt jedes Ergebnis sofort als separaten Clip auf der Timeline zu arrangieren.
Flexibel im Studio und auf der Bühne
Playbeat 4 und Riffer 4 sind für Windows und macOS erhältlich. Playbeat 4 unterstützt zusätzlich iPadOS und AUv3. Riffer 4 ist ebenfalls für iPadOS als AUv3- beziehungsweise Standalone-Version vorgesehen.
Lohnt sich der Wechsel auf Audiomodern V4?
Die Antwort hängt davon ab, wie du arbeitest.
Wer Audiomodern hauptsächlich als Ideengenerator verwendet, profitiert vor allem von den erweiterten Generierungs- und Bearbeitungsmöglichkeiten von Riffer 4 und den neuen Algorithmen von Playbeat 4.
Für Produzenten, die ihre Patterns dagegen live triggern, variieren und performativ einsetzen, sind die Performance-Funktionen von Playbeat 4 besonders interessant.
Dabei sollte man V4 nicht als vollständigen Bruch mit den bisherigen Versionen verstehen. Viele Grundideen von Audiomodern bleiben erhalten: Generieren, variieren, auswählen und anschließend musikalisch weiterarbeiten. Die neuen Versionen bauen diesen Ansatz aus und verbinden ihn stärker mit Performance, MIDI und einem flexibleren Produktionsworkflow.
Für Besitzer älterer Versionen ist außerdem relevant, dass Audiomodern vergünstigte Upgrade-Preise anbietet.
Fazit: Audiomodern verbindet Generierung und Performance
Audiomodern verfolgt einen etwas anderen Ansatz als klassische virtuelle Instrumente. Statt möglichst viele Sounds und Presets bereitzustellen, konzentriert sich das Unternehmen auf Werkzeuge, die musikalische Ideen erzeugen und weiterentwickeln.
Riffer 4 zeigt diesen Ansatz auf der MIDI-Seite: Aus wenigen Parametern entstehen Melodien, Riffs, Basslines und Sequenzen. Playbeat 4 überträgt das Konzept auf Drums und kombiniert genrebasierte KI-Generierung mit einem umfangreichen Performance-Workflow. Chordjam ergänzt das System um Akkorde und Progressionen.
Der eigentliche Fortschritt liegt deshalb weniger in einem einzelnen „Gamechanger“-Feature als in der Verbindung von generativer Ideenfindung, MIDI-Steuerung und Performance.
Wer gerne mit Zufall arbeitet, aber trotzdem musikalische Kontrolle behalten möchte, findet bei Audiomodern ein interessantes Werkzeugset. Und wer seine generierten Patterns nicht nur exportieren, sondern während des laufenden Projekts aktiv spielen und verändern möchte, dürfte insbesondere mit Playbeat 4 einen deutlich flexibleren Workflow vorfinden.



