Thenatan Audio Plugins im Praxis-Test: Von Lo-Fi-Tape bis zu kreativen Performance-FX

1. Thenatan TAPE: Mein bewährter Klassiker für analogen Warmth
Die Kernfeatures im Überblick:
- 6 Cassette-Typen: Von warm-natürlich über dunklere Bänder bis hin zu Walkman- und Radio-Kassetten-Modi.
- Modulare Sektionen: Integrierter Noise-Player (mit eigener Impuls-Upload-Funktion via Drag-and-Drop), Crystal-Reverb, Delay, Bitcrusher und Saturation.
- Tape Drops & Glitch Engine: Simulierte Bandklemmer und Stutter-FX bringen unregelmäßige, menschliche Aussetzer in das Signal.
- Vektorbasierte GUI: Stufenlos skalierbar (bis 200 %) und extrem übersichtlich gestaltet.
Mein Praxis-Fazit:
2. Thenatan TVHS: Tape & CRT TV Emulator
Das macht TVHS besonders:
- Echte Transport-Modulierung: Wow & Flutter werden nicht über starr schwingende LFOs erzeugt, sondern über gefiltertes Rauschen – dadurch wiederholt sich die Pitch-Schwankung niemals.
- CRT-Signale & Video-Standards: Neben Tape-Saturation gibt es schaltbare NTSC- und PAL-Modi inklusive Zeilentransformatoren-Pfeifen (Flyback Whine) und Netzbrummen.
- Hi-Fi Compander Mistracking: Der "Breathe"-Parameter lässt den Rauschteppich nach Transienten natürlich auf- und abschwellen.
- 10 Impulsantworten (IRs): Abgetastet von realen Bandköpfen und Videogeräten für extrem authentischen Sound.
Mein Praxis-Fazit:
3. Thenatan DIAL: Lofi-Radio-Atmosphäre statt platter Filter
Mit DIAL bekommt man kein typisches Tiefpass-Filter, sondern schickt das Audiosignal virtuell auf Sendung. Man bedient ein animiertes Senderrad und sucht aktiv nach Frequenzen.
https://www.thenatan.store/p/dial-lofi-radio-plugin/
Die wichtigsten Features:
Echtes Senderrad mit 7 Stationen: Wenn man die Frequenz leicht verfehlt, versinkt der Sound in authentischem Zwischensender-Rauschen.
4 Radio-Modelle: Warm Tube, Transistor, Shortwave und Cheap Speaker – jedes Modell bringt ein eigenes Frequenzprofil und eine eigene Benutzeroberfläche mit.
Interferenz & Reception: Neben klassischem Hiss lassen sich Knistern, Morse-Töne, Frequenz-Drift und Signal-Dropouts beimischen.
AM/FM-Umschaltung & Speaker Rattle: AM bündelt den Sound in enges, raues Mono. Der „Rattle“-Regler lässt das virtuelle Gehäuse spürbar mitscheppern.
Mein Praxis-Eindruck:
DIAL eignet sich perfekt für Intros, Skit-Visuals, Sprach-Samples oder Vocal-FX. Der Umstand, dass man das Tunen live automatisieren kann, macht es zu einem extrem lebendigen Sounddesign-Tool für echte Äther-Nostalgie.
4. Thenatan FLIP: Das kreative Multi-FX & Loop-Slicer-Monster
FLIP verfolgt ein völlig anderes Konzept als die Sättigungs-Plugins: Es ist ein Schweizermesser für Rhythmus, Chopping und destruktives FX-Design auf stehenden Samples oder Loops.
https://www.thenatan.store/p/flip-multifx-plugin/
Die wichtigsten Features:
Engine-Modul: Greift sich Audio-Slices (20 ms bis 2 s) und manipuliert Tempo, Pitch (+/- 24 Semitone) und Abspielrichtung in 7 Modi (Forward, Reverse, Stutter, Freeze, Skip, etc.).
5 Destroy-Algorithmen: Crush (Bitrate), Fold (Wavefolding), Shift (Inharmonik), Glitch (Audio-Rate Sample & Hold) und Rip (Cubic Distortion).
Space & Echo: Integrierter Hall (bis 8 Sekunden Tail) und Ping-Pong-Delay.
Live DNA Visualizer: Zeigt in Echtzeit als DNA-Helix an, wie die einzelnen FX-Knoten das Signal verformen.
CPU-Schonend & Zero Latency: Trotz 9 Prozessoren im Signalweg unter 4 % CPU-Last.
Mein Praxis-Eindruck:
FLIP ist eine absolute Waffe, um aus langweiligen, statischen Loops völlig neue Hooklines, Vocal-Chops oder Pre-Drop-Effekte zu schrauben. Man wirft ein einfaches Pad hinein und bekommt Sekunden später eine rhythmisch zuckende Textur heraus.
5. Thenatan DJFX: Transitions, Breaks & Drops auf Knopfdruck
Mit DJFX holt man sich die typischen Performance-Tricks eines DJ-Setups oder aufwendige Automationen direkt auf 15 einfach bedienbare Pads.
https://www.thenatan.store/p/djfx-dj-transition-effects-plugin/
Die wichtigsten Features:
15 Performance-Effekte: Tape Stop, Half Time, Reverse, Beat Repeat, Stutter, Freeze, Underwater, Kill (High-Pass), Flanger, Inf. Delay, Wash Out, Sweep, Rise (mit 10 Riser-Varianten) und Mute.
Taktgenaue Latch-Funktion: Wartet auf die nächste Eins im Takt, läuft für die gewählte Bar-Länge und klinkt sich pünktlich zum Drop wieder aus.
Visueller 4-3-2-1 Countdown: Zeigt auf dem Pad exakt an, wie viele Beats verbleiben, bis der Effekt loslässt.
Frei anpassbares Layout: Pads lassen sich per Drag-and-Drop verschieben, um sie an die eigene Arbeitsweise oder einen MIDI-Controller anzupassen.
Mein Praxis-Eindruck:
DJFX spart im Arrangement extrem viel Zeit. Statt für einen Übergang fünf verschiedene Plugin-Parameter über mehrere Spuren hinweg zu automatisieren, drückt man im passenden Moment das Latch-Pad. Passt perfekt für Drops, Breaks und Transitions in elektronischen Genres.
Übersicht & Vergleich
Fazit: Pragmatische Ergebnis-Tools für kreative Macher
- Das analoge Textur-Trio (TAPE, DIAL & TVHS): Bildet das perfekte Fundament für organische Wärme, nostalgischen Schmutz und atmosphärische Patina. Während TAPE subtile Musikkassetten-Sättigung und musikalische Unperfektion liefert, schickt DIAL Spuren live über verstaubte Äther-Frequenzen, und TVHS verleiht dem Mix die raue, ungemütliche VHS- und Röhrenfernseher-Ästhetik der späten 80er und 90er Jahre.
- Das Performance- & Rhythmus-Duo (FLIP & DJFX): Deckt die dynamische, modulare Seite ab. FLIP agiert als destruktives Multi-FX-Slicer-Monster für inventive Loop-Variationen und abgefahrene Hook-Ideen, während DJFX komplexe Breaks, Risers und Transitions bar-quantisiert auf Knopfdruck abliefert – ohne dass man sich in zähen Automationsspuren verliert.



